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Mrz 132020
 

Ende eines seltsamen Schuljahres

Zum Schluss kehrte etwas Normalität zurück: Der Unterricht wurde vorsichtig wieder aufgenommen, die Prüfungen fanden statt, die Zeugnisse wurden geschrieben.

Unsere Absolventen der 9. und 10. Klasse wurden feierlich verabschiedet.

Unsere Frau Richter „entließen“ wir in den wohlverdienten Ruhestand.

Um Erfolge beim Lernen und in der Gestaltung unserer Schule musste in diesem Schuljahr härter gerungen werden als sonst, aber wir haben sie erzielt.

Dann kam der letzte Schultag, und voller Hoffnung auf ein ganz normales Schuljahr 2020/21 ohne jegliche Einschränkungen, die das Lernen behindern, gingen wir in die Sommerferien.

Was uns alle, Schüler und Lehrer und alle Mitarbeiter sowie die Mitglieder des Trägervereins in diesen Tagen bewegt, darüber macht sich unser Schulleiter seine Gedanken:

Fazit des Schulleiters der Freien Schule Boxberg/O.L.

Alle Jahre wieder und doch völlig anders ging das Schuljahr 2019-20 mit den Prüfungen und Zeugnisübergaben vor wenigen Tagen zu Ende.

Der Start im August 2019 war hoffnungsvoll und verhieß große Ziele für jeden Einzelnen und die Schule insgesamt. Mit vielen neuen Schwimmzeugnissen, einem schlüssig konzipierten Ganztagesangebot, einem ausgebaut untersetzten Berufsorientierungskonzept, jahrgangsübergreifendem Theaterprojekt, 116 mutigen Schülern, 16 engagierten Lehrkräften, einer umsichtigen Schulsachbearbeiterin und 5 mitanpackenden Assistenzkräften war der Erfolg der Schuljahresarbeit an sich nicht zu verhindern. Die gewählten Elternsprecher hielten Kontakt zu den Klassenleitern, zum Trägerverein und zur Schulleitung in kritisch- konstruktiver Erörterung zahlreicher Fragestellungen. Unterstützt wurden wir dabei sehr professionell, einfühlsam und anschaulich belegt durch die Polizeidirektion Görlitz mit ihren Mitarbeitern der Abteilung Prävention, insbesondere im aktuellen Arbeitsschwerpunkt Recht und Gesetz im privat- und öffentlichen Bereich. Das „Fab-mobil“ lieferte unseren Schülern und auch den Lehrern tief gehende Einblicke in die technologische Revolution, die sich etwas außerhalb des Sichtfeldes eines normalen Dorflebens abspielt.

Die Realisierungen dieser und auch weiterer hier nicht komplett aufzählbarer Vorhaben, z.B. die einzelner Klassen, spiegelte uns eine überwiegende Zustimmung zum Schulkonzept und dessen nach wie vor gültigen Hauptinhaltes, Kinder durch eigene Aktivität erfolgreich, gemeinsam und voneinander lernen zu lassen, wider. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, dass es bei uns so sein soll, erfahren wir sehr oft bei Aufnahmegesprächen in unsere Schule. Zu Beginn des Schuljahres 2020/21, am 31. August 2020, werden wir voraussichtlich 119 oder 120 Schüler begrüßen dürfen. Die Gründe, warum nach Erfahrungen an anderen Schulen Eltern und Schüler den Weg zu uns finden, zeigen uns, den richtigen Weg gewählt zu haben, aber leider auch, dass wir nun an unverhoffte Grenzen unserer Aufnahmekapazität stoßen.

Mit dem Jahresübergang 2019/20 wechselte auch die Wahrnehmung über die Veränderungen in der Welt. Unterrichtete man vor Jahren beim Thema Thermodynamik oder Klimazonen noch so, als sei der Winter in Europa und Nord- und Zentralasien eiskalt, waren der Schöps, erst recht der Bärwalder See vor dem Haus in kaum einer Erinnerung der Kinder je zugefroren gewesen und China unerreichbar weit weg, so waren kurz nach den Winterferien die in der Natur und Gesellschaft lesbaren Signale für jeden plötzlich wirklich erkennbar auf tiefrot gestellt. Es den Kindern und Jugendlichen zu erklären, was hier mit uns, mit ihnen und der Welt unübersehbar passiert, wurde in mehren Schulversammlungen freitags außerplanmäßig veranlasst begleitet. Das unvergessliche Stoppzeichen mussten wir am Freitag, dem 13.03.2020 vernehmen. Nicht nur die einzelne Person, das ganze System unserer Gesellschaft geriet in ungeübte und leider ungeplante Zwänge. So manches Verhalten und viele festgeschriebene Äußerungen werden weiterhin Anlass zu denken geben. Unsere Schule war geschlossen. Der Briefkasten, die Emailportale, Homepagebuttons und Smartphoneapps waren es aber nie und wurden mit heißer Nadel sowohl vom Schultäger als auch den Lehrkräften und Schülern überwiegend gekonnt und zuverlässig genutzt, um im Lern- und Arbeitskontakt zu bleiben.

Da haben alle viel gelernt, das Wichtigste jedoch: wie viel es wert ist, sich zu begegnen und von Angesicht zu Angesicht miteinander und eben nicht übereinander zu reden. Oft benutzten Schüler auch allen Ernstes noch das Telefon, um zu erkunden, ob auch wirklich jemand im Büro Auskunft geben könne. Außer am Wochenende hatte das zumeist zur üblichen Schulzeit geklappt. Wo ein Wille ist, ist ein Weg – wo nicht, sind es Gründe. 6 Wochen Präsenz-unterbrechung für die potenziellen Absolventen und 8 bis 10 Wochen für die jüngeren Schüler betrachten die Schulverantwortlichen trotz aller technischen und menschlichen Bemühungen als ein Desaster unserer Schuljahresplanung und der allgemeinen Absicht von Schule, thematisch und methodisch breit angelegt Schüler zu erreichen.

Die Vorbereitungen auf die Prüfungen und die optimalsten Erfüllungen individueller Lernziele waren der Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus auch an unsere Schule gerichtet mit zahlreichen flankierenden Verordnungen und Unterstützungen bis hin zur Maskenlieferung. Die Umsetzung dieser Ziele hatte nun höchste Priorität insbesondere auf Haupt- und Prüfungsfächer bezogen. Den Rest des Schuljahresarbeitsplanes findet man kaum in Fragmenten umgesetzt sondern allenfalls im Papierkorb.

Konzeptionell sind wir schlingernd auf Kurs geblieben und haben die Prüfungen auch ohne Aula, aber mit Hilfe der Nutzung des Begegnungszentrums überwiegend gut bis zufriedenstellend in großer Übereinstimmung zu den Vorleistungen absolviert.

Die vollzogenen und künftigen Anwendungen der Maßgaben aus dem SMK auch für die kommenden Schuljahre sollten vorbehaltlich des Ausbleibens einer nochmaligen Krisensituation wie im März 2020 große Hoffnung auf gute Chancen für die nächsten Absolventen unserer Schule liefern.

Wie der interessierte Leser sicher nur eingeschränkt akzeptieren wird, war dies das kürzest mögliche Fazit eines garantiert ins Gedächtnis gebrannten Schuljahres durch den Schulleiter der Freien Schule –hier vor Ort aus Boxberg/O.L. – immer noch gern bleibend, aber weiterhin mit der Verarbeitung gemachter Grenzerfahrungen beschäftigt.

R. Berthold