Geschichte der Schule

 

Zur Schulentwicklung der Mittelschule bis zur Freien Schule in der Großgemeinde Boxberg/ O.L.

 

Der Schulneubau – das Highlight in Boxberg/ O.L.
Politischer Umbruch und bildungspolitischer Wandel
Von 1992 bis zum Schuljahr 2002/03
Neue Lehrpläne in Sachsen
Ein engagiertes Kollegium und die Erfolge der Mittelschule Boxberg/ O.L.
Unterstützung auf allen Ebenen
Aufregung und Unverständnis
Neubeginn

 

Der Schulneubau – das Highlight in Boxberg/ O.L.

Die Polytechnische Oberschule Boxberg entstand 1971 als Schulneubau unter damaligen modernsten Kriterien mit 22 Klassen- und Fachunterrichtsräumen, Aula mit Holzschiebetür zum Trennen, Kellerräumen, inklusive eigener Schulküche und Speiseraum, Turnhalle, Sportplatz und Pausenhof und einer Hausmeisterwohnung.
Unterrichtet wurden Schüler der Klassen 1- 10 aus dem ehemaligen Schulkombinat Boxberg mit den Schulteilen: Nochten, Boxberg, Kringelsdorf und Reichwalde.

Politischer Umbruch und bildungspolitischer Wandel

Nach der politischen Wende und der Einheit Deutschlands fand auch die Umgestaltung des Bildungswesens statt.
Inhaltliches Ziel einer Neugliederung der Schulstruktur war die Ablösung des Einheitsschulsystems der Polytechnischen Oberschule der DDR in ein gegliedertes, aber durchlässiges Schulsystem in Grundschule, Mittelschule und Gymnasium.

Von 1992 bis zum Schuljahr 2002/03

Seit dem Schuljahr 1992/93 gab es am Standort Boxberg/ O.L. eine Mittelschule mit differenzierten Möglichkeiten der Leistungsentwicklung. Auf der Basis der Orientierungsfunktion der Klassen 5 und 6 und der Bildungsempfehlung am Ende der 6. Klasse standen für die Schülerinnen und Schüler sowohl der Haupt– als auch der Realschulbildungsgang oder der Wechsel zum Gymnasium offen.

Die Mittelschule als differenzierte Schulart vermittelte eine allgemeinbildende und berufsvorbereitende Bildung, die für den nahtlosen Einstieg in die berufliche Qualifizierung nach Klasse 9 oder 10 sorgte.

Ab Klasse 7 begann für die Schülerinnen und Schüler eine auf Abschlüsse und Leistungsentwicklung bezogene Differenzierung. Die Möglichkeit, in kleineren Gruppen – oder Klassenstärken in den leistungsdifferenzierten Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Physik und Chemie und in den anderen Fächern im Klassenverband zu arbeiten, sorgte für ein erfolgreiches Beenden der Klasse 9 im Hauptschulabschluss oder nach Absolvierung einer besonderen Leistungsfeststellung für den Erwerb des qualifizierenden Hauptschulabschlusses, der wiederum unter bestimmten Voraussetzungen dazu berechtigte, im Realschulbildungsgang Klasse 10 weiterzulernen.

Nach erworbenem Realschulabschluss Klasse 10 – dem zweithöchsten schulischen Bildungsabschluss- stand dem Wechsel in ein Gymnasium mit Wiederholung der Klasse 10 nichts im Wege.

Profilunterricht ab Klasse 7 lockerte das bis dahin starre Konzept des Fächerkanons auf. Unsere Schule bot z. Bsp. bis zum Schuljahr 2002/2003 die Profile: Sprache, Technik, Hauswirtschaft/Soziales an.

Neue Lehrpläne in Sachsen

Mit der Einführung der neuen Lehrpläne 2004/2005 wurden diese Stunden in das Pflichtfach: Wirtschaft/ Technik/ Hauswirtschaft – Soziales und in Neigungskurse, die von der Gestaltung und den Ressourcen der Schule abhängig waren, umgeformt. So bekam die Schule gute Grundlagen für die eigene Planung in die Hand, ständig nach Möglichkeiten und Bedarf wechselnde Neigungskurse für die Schüler der Klassen 7 – 9 anzubieten.

Ein engagiertes Kollegium und die Erfolge der Mittelschule Boxberg/ O.L.

Besonders wichtig war dem Lehrerkollegium in den Jahren des Bestehens der Mittelschule für Schüler, Lehrer und Eltern eine attraktive, sich am Geschehen der Zeit orientierende Schule, mit Unternehmen und Behörden zusammenarbeitende, moderne Einrichtung zu sein.
So lernten Schüler aus allen Orten unserer großen Gemeinde an der Mittelschule. Sie wurden unterstützt von engagierten Elternsprechern und der Schule verbundenen Unternehmen der Gemeinde.
Erfolge konzentrierter Arbeit waren z. Bsp. 1998 die Einweihung des ersten Internet – Schülercafes im gesamten Kreis mit Unterstützung des Jugendamtes, die Gründung einer Schülerfirma, die Teilnahme am bundesweiten MINT – Projekt, die Eröffnung eines Bewegungsraumes für alle Schüler, die erfolgreiche Beteiligung an den Innovationsbörsen des Kreises, z. Bsp. mit unserem schwimmenden „EURO –Latsch“ oder der „Brücke“ , genauso wie die erfolgreiche Teilnahme an Olympiaden, Sprachprojekten und Sportereignissen und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit einem polnischen Gymnasium in Zary.

Aber auch im GTA- Bereich galt es, unseren Schülern aus den Orten der Gemeinde viele Möglichkeiten der sinnvollen Nachmittagsbetätigung anzubieten, u. a. wurden maßstabgerechte Modellarbeiten für den künftigen Findlingspark hergestellt, die Pausenversorgung der Schüler durch die eigene Schülerfirma „Mibox“ gewährleistet oder die Leitung des Schulclubs erfolgreich in die Hände der Schüler übertragen. Prüfungsvorbereitung, Unterstützung der Lernprozesse und Kontakte zu den Firmen der Orte gehörten genauso zur Nachmittagsgestaltung wie die Vertiefung der PC – Kenntnisse.

Unterstützung auf allen Ebenen

Diese Projekte konnten mit Hilfe der Kooperationspartner ins Leben gerufen werden.
Entscheidende Unterstützungen bekamen wir durch die Bemühungen des Bürgermeisters der Gemeinde, der Verwaltung und der Abgeordneten des Gemeindeverbandes, schulisches Geschehen durch eine immer bessere Ausstattung, eine gründlich renovierte Sporthalle u. v. a. m. in der alltäglichen Arbeit attraktiver zu machen.
Das Ergebnis aller Bemühungen waren gut ausgebildete, „auf das Leben vorbereitete“ junge Menschen, deren privater und beruflicher Werdegang sich den ehemaligen Lehrern und Mitschülern meist erst Jahre später in manch schönem Klassentreffen offenbarte und die uns als Lehrer stolz auf unsere Arbeit zurück blicken lässt.

Aufregung und Unverständnis

erweckten die sich anbahnenden Entwicklungen um eine künftige Schulschließung durch das Sächsische Kultus – Ministerium.
So viel Engagement, Ideen, Tätigkeiten, um das „Unheil“ einer Schulschließung von der Gemeinde Boxberg abzuwenden, hatte niemand erwartet.
4 große Busse wurden durch Eltern – und Gemeindevertreter gechartert, Speise – und Getränkeversorgung für die unfreiwillige „Reise“ in die Landeshauptstadt organisiert, um vor dem Kultusministerium den Protest der Boxberger gegen die Schließung ihrer Schule kund zu tun!
Nichts half.
Im Sommer des Jahres 2006 musste diese Schule ihre Tore schließen, weil der Gemeinde der Mitwirkungsentzug für künftige 5. Klassen bescheinigt worden war.
Welch eine Entscheidung für die Großgemeinde!

Neubeginn

Wieder waren es 2007 beherzte, äußerst engagierte junge Menschen, Mütter und Väter von Kindern im schulfähigen Alter, die sich nach der Arbeit zusammensetzten, um über einen Neubeginn und die tatsächlichen Chancen eines solchen nachzudenken.
Die Unterstützung der staatlichen Behörden konnten sie nicht erhoffen.
Doch der Wille, ihren eigenen Kindern die Chance auf eine Schulbildung im Ort zu ermöglichen, ohne das tägliche Zurücklegen vieler Kilometer in Kauf nehmen zu müssen, ließ sie alle Strapazen des konzeptionellen Aufbaus einer Freien Schule unter der Leitung eines Trägervereins und der Begleitung eines Fördervereins auf sich nehmen!
Das Ergebnis ist eine Freie Schule – Oberschule – Boxberg/ O.L., deren Leistung sich sogar im Sachsenmaßstab sehen lassen kann, die Wiedererkennungspotenzial hat und sich bereits jetzt um ihren guten Ruf keine Sorgen machen muss und kontinuierlich an ihrer Weiterentwicklung arbeitet.

 

Kristiane Wojcicki
Schulleiterin der Mittelschule Boxberg/O.L. (1992 – 2005)

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